FÜNF GUTE GRÜNDE

... die für Bonsai sprechen
Es gibt sicherlich 1000 Gründe, die für das Hobby Bonsai sprechen, doch möchte ich die für mich wichtigsten kurz umschreiben. Da Bonsai viel mit Bilder und Betrachten zu tun hat und ein Posting ohne Bilder wie eine Suppe ohne Salz ist, hier ein aktuelles Foto unserer Blaubeere / Kulturheidel-beere (Vaccinium vitis-idaea). Es dauert nicht mehr lang, dann kommt sie zum zweiten Mal bei uns in ihr Winterquatier. Im Januar 2008 habe ich diese Pflanze als Containerware aus einem Pflanzenhof mitge-bracht. In diesem Herbst habe ich sie im Kronenbereicht leicht gedrahtet. Sie ist 45 cm hoch (ab Schalenoberkante), die Schale (China) 20x13x6 cm.


Erster Grund (der Bonsai)
Die Pflanze in ihrer Schale ist nett anzusehen. . .


Zweiter Grund (das Basteln)
Ist die Gartenarbeit an der Pflanze beendet, kommt mir im nächsten Moment der Gedanke, wo stell ich die denn schon wieder hin? Ich suche den optimalen Stellplatz und wenn sie da nicht mehr hinpasst, dann baue ich ein neues Regal oder eine neue Präsentations-Bank für unseren kleinen Garten (Außenstelle). Als nächste Bastelaufgabe steht dann die Wasserversorgung der Pflanze an. (siehe Posting: Urlaubsbewässerung). Hier müssen Wasserschläuche in Schlauch-kanäle verlegt werden und wenn der Schlauch nicht mehr in den Kanal hineinpasst, muss ich einen neuen Schlauchkanal bauen. Es gibt Kinderfotos von mir, auf denen ich im Alter von 4 Jahren meinem Vater beim Renovieren helfe und die Fußleisten streiche. Ich war noch nicht in der Schule, da bekam ich einen Werkzeug-koffer (für Kinder) zu Weihnachten geschenkt und meine Lieblings-sendung im Fernsehen war, "Zugeschaut und mitgebaut". Fazit: wer etwas handwerklich geschickt ist und gerne 'rumwerkelt, kommt bei Bonsai voll auf seine Kosten.


Dritter Grund (das Fotografieren)
Wie oben erwähnt, hat Bonsai mit Betrachten zu tun, sich also mit einer Sache auseinander zu setzen. Ich fotografiere seit knapp
30 Jahren, habe eine Schwarz/weiß-Dunkelkammer, die ich aber seit dem Siegeszug der digitalen Fotografie nicht mehr nutze. Für mich als "Bildertyp" ist Bonsai wie geschaffen.


Vierter Grund (das Bloggen)
Hier fließen die ersten drei Gründe wie ein roter Faden in
Bonsai das schönste Hobby der Welt
zusammen und runden die Sache ab.


Fünfter Grund (das Lektorat)
Jeder Bonsaianer wünscht sich von seiner Lebensgefährtin, dass sie das Hobby ihres Mannes mit trägt bzw. mit beeinflusst. Ich hätte mir von Martina gewünscht, dass sie sich mit Akzentpflanzen beschäftigt oder einen Töpferkurs belegt, um Pflanzschalen für unser gemeinsames Hobby zu töpfern :-) All die Jahre habe ich mich angestrengt und mir den Mund fusselig geredet, Martina irgendwie mit in das "Bonsai-Boot" zu bekommen, vergebens. Dann fing das Posten an und ich fragte Martina, ob Sie denn mein Posting kurz Korrektur lesen könnte? Dann ist es passiert, endlich ist eine Schnittstelle zwischen Bonsai und Martina hergestellt. Jetzt diskutieren wir über Text- Formulierungen und suchen gemeinsam nach irgendwelchen Synonymen. Nun muss sie nicht mehr töpfern oder sich mit Akzentpflanzen beschäftigen, sie ist ja jetzt meine Posting-Lektorin. Nichts wird hier veröffentlicht, was Martina nicht gegengelesen hat. Habe ich einen neuen Post fertig, dann sage ich nur, Schatzi, ich habe wieder ein Posting fertig und sie sagt:"nee, ne?" (ugs. für nicht schon wieder!!!). Ist sie nicht süß :-) Jetzt muss ich bestimmt wieder diskutieren, warum Martina NICHT der erste Grund ist. Dann sage ich: "Sie ist ja auch nicht der fünfte Grund sondern das fünfte Element. Anmerkung von Martina: da hat Christian aber noch 'mal Glück gehabt!

MYKORRHIZA

... die Symbiose aus Baum und Pilz

Seit ein paar Wochen sind mir in der einen oder anderen Bonsai-Schale Pilze aufgef-allen, die still und heimlich vor sich hin-wachsen. Im feuchten Herbst finden die Pilze ja auch die besten Bedingungen. Der enga-gierte Bonsaianer (also ich) liest alte Bonsai-Zeitungen aus ver-gangenen Jahren, speziell die der Jahreszeit entsprechende Lektüre. Prompt stolperte ich über ein Artikel in der Zeitschrift Bonsai creativ aus Oktober/November 1994 von Werner M. Busch, der da lautet: "MYKORRHIZA -Die Lebensgemeinschaft in der Bonsai-Schale". Diesen ausführlichen Artikel über Baum und Pilz als Symbiose in der Schale nahm ich zum Anlass, ein paar Pilze zu fotografieren und mich ein wenig mit Mykorrhiza (Link Wikipedia) zu beschäftigen. Ihre Entdeckung ist gerade einmal 130 Jahre alt. Jahrzehntelange Beobachtungen und Experimente führten zu der Erkenntnis, dass der Baum den Pilz mit Nährstoffe versorgt, während der Pilz die im Boden befind-lichen Nährstoffe aufschließt, um sie dem Baum zur Verfügung zu stellen. In o.g. Artikel geht Werner auch auf den Birkenpilz ein, der nur an und mit der Birke lebt.

Hier zwei aktuelle Fotos aus Oktober 2008 von meinem Birken. Pilz und Birkenwälchen in rührender Zweisamkeit. Diese Form der Mykorrhiza ist typisch für Bäume aus den Familien der Birken-, Buchen-, Kiefern-, Weiden- und Rosengewächse. Pilzpartner sind meist Ständerpilze aus den Ordnungen Boletales und Agaricales, in seltenen Fällen Schlauchpilze
wie die Trüffel und spezielle Becherlinge wie der Zedern-Sandborstling. (Wikipedia) Die Birken habe ich im Frühjahr 2008 gesammelt, die einzelnen Wurzelbereiche völlig ausgekämmt und gesäubert und mit anschließendem Pfahlwurzelschnitt in frische Bonsaierde in die Schale gesetzt. Wo also kommen die Pilze her? Die Mycel (Pilzfäden) legen sich um die feinen Wurzeln, was für das menschliche Auge unsichtbar ist. Somit kontaminierte ich unwissentlich die frische Bonsai-Erde direkt mit Pilzsporen. Der Bonsaianer nennt das: "die Erde impfen".

Ist der nicht süß? Wie ein kleiner Däumling läuert er durch die Moosdecke und wundert sich, dass die Welt für ihn am Schalen-rand zuende ist :-)

Ist das nicht eine fantastische Aufnahme? Abgelichtet ist ein Pilz im Wurzelbereich meiner Zwergmispel (Cotoneaster/ aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae)). Wenn ich diese Fotografie auf mich wirken lasse, vergesse ich, dass hier "nur" ein Makro-Kosmos vorliegt. Das Foto erinnert an "Alice im Wunderland". Suche das Große im Kleinen, heißt es in einem chinesischen Sprichwort, das trifft hier meines Erachtens zu.
Es wird vermutet, dass die Mykorrhiza überhaupt erst die Landbesiedlung durch die ersten terrestrischen Pflanzen ermöglichte. Weltweit sind ca. 200 Arten von Mykorrhizapilzen beschrieben, die mit ca. 80% aller Landpflanzenarten in Symbiose stehen. (Wikipedia)

Kurz zum Thema Drahten:
Wie unschwer auf beiden Fotos zu erkennen ist, drahte ich nur mit beschichtetem (Fe) Stahldraht. Meine gedrahteten Bäume werden sicherlich keine Ausstellungsräume von innen sehen. Ich wüsste gerne, warum alle nur mit Kupfer (Cu) oder Aluminium (Al) drahten? Im PDF-File vom Arbeitskreis Lübeck zum Thema Drahten (siehe Posting E-Buch PDF Linkliste) wird der Einsatz von Stahldraht als mögliche Drahtsorte beschrieben. Mein virtueller Groß-Meister benutzt ausschließlich Cu-Draht. Ich kann nur feststellen, dass ich das Ende der gestallterischen Möglichkeiten von beschichtetem Stahldraht noch nicht erreicht habe. Eigentlich bin ich auch ein Drahtmuffel, spanne lieber ganze Äste zum Boden hin ab oder drahte wirre Wege in die Baumkrone von Ast zu Ast.
ICH MUSS MICH DOCH NICHT SCHÄMEN, Meister, dass ich beschichteten Fe-Draht zum Einsatz bringe? Wie sagt mein Meister immer, das Ergebnis zählt und sonst nichts. Ich hatte diesen Erklärungsbedarf zu meiner Drahttechnik, weil hier Bilder von meinem Bäumchen zu sehen sind, die ich sonst nicht gezeigt hätte. Thema in diesem Posting ist aber die Lebensge-meinschaft von Baum und Pilz (Mykorrhiza) und nicht Al-Cu-Fe-Draht mit ihren stylistischen Vor- und Nachteilen.
Weiter geht's mit diesem Pilz, der am Wurzelansatz meiner Muschelzypresse entspringt. Dieser Fruchtkörper bildet sich ca. 1 cm über dem Erdboden, Pilzfäden halten sich an der Stamm-borke fest. Das Foto vor dem Schäm-Smiley zeigt auch die Mu-schelzypresse. Ach ja, außerdem ist beschichteter Fe-Draht auch viel billiger als Cu oder Al-Draht :-) Die Symbiose mit dem Pilz ist für den Baum nicht lebensnotwendig, fördert aber wohl nachhaltig seine Vitalität. Begon, Harper und Townsend schreiben im "Lehrbuch der Ökologie" von 1986 sogar: Die meisten höheren Pflanzen haben keine Wurzeln, sie haben Mykorrhizen.(Wikipedia)
Das schönste Hobby der Welt hilft mir schon wieder,
die Naturzusammenhänge besser zu verstehen. Noch vor ein paar Jahren hätte ich gesagt: "iiiihhh, du hast ja Pilze im Blumenpott!! hast wohl die falsche Erde"! Heute weiß ich, dass Mykorrhiza weder eine italienische Pizza noch ein neuer japanischer Name für irgendein Pokemon-Monster ist. Jedem, der mehr über diese Zweisamkeit von Baum und Pilz erfahren möchte, kann ich nur wärmstens den kompletten Artikel in Wikipedia bez. den Artikel vom Werner M. Busch in der Zeitschrift "Bonsai creativ Oktober/November 1994" nahe legen.
Der letzte Pilz ist nicht etwa ein Hautpilz meiner Hand- Innenfläche, sondern gehört zu unserer Herbst-Deko 2008. Von hier aus wünsche ich allen Lesern nur das Beste und mir ein Pilz im Glas :-) Grüß mir die Guten

STEINPLATTEN

Ein paar schöne Herbststunden erwischt und gleich ein Mini-Projekt in die Tat umgesetzt. 5 kleine Buchsbäumchen, deren Gestaltung mir schon lange durch den Kopf schwirrte, wurden kurzer Hand auf eine Steinplatte gepflanzt. Die ersten Gehversuche, Pflanzen auf Steinplatten zu setzen, habe ich an einem alten gesam-melten Farn-"Wulzt" , absolviert.

Das Bild links aus September und rechts 4 Wochen später. Dieser Farn wirft seine Blätter im Herbst ab und treibt im Früh-jahr wieder aus.
Nach dem gleichen Prinzip der Steinplatten-Bepflanzung bin ich auch bei dem zweiten Projekt vorgegangen. Die Steinplatte habe ich auf unserem Firmengelände gefunden. Sie ist 40 cm lang und läuft in der Breite von 40 cm auf 20 cm schräg zu und ist nur 1 cm dick. Zuerst habe ich schweren sandhaltigen Lehm-boden mit dem Spaten ausgestochen. Diesen Spatenstich "Klos" habe ich mit den Fingern zerkeinert und damit sämtliche Verun-reinigungen wie kleine Äste und Steine enfernt.
Dann kommt der Moment, in dem das Buddeln im "Kleinen" so richtig Freude macht: mit der Gießkanne wird jetzt Wasser über diesen sandigen Lehmboden gegossen und eine Matschwurst geformt. Die "schwere" Matschwurst-Erde wird dann am Stein-plattenrand entlang verlegt.
Der dabei entstehende Krater dient mir dann als Pflanzgefäß, das ich mit einer Mischung aus Akadama und Blumenerde ge-füllt habe.
Da liegen sie nun, als einjährige Stecklinge habe ich sie vor 7 oder 8 Jahren gekauft - Buxus sempervirens oder einfach nur Buchs. Diese kleinen Bäumchen habe ich bisher immer nur in einem großen Topf als Bodendecker gepflanzt. Jetzt sollen sie zum ersten Mal - so richtig schön gemacht - für sich alleine wirken.
Mein Buchs-"Wäldchen" auf Stein :-) Da die Steinplatte keine Wasser-Ablauflöcher hat, durch die ja bekannterweise die Drähte für die Baumbefestigungen geführt werden, ist die Steinplatten-Pflanzung hinsichtlich Berührungen sehr empfind-lich. Steinplatten ohne Wasserablauflöcher stellen für die Planze kein Problem dar, denn das Wasser wird sich schon seinen Weg ('runter von der Steinplatte) suchen.
Links von oben und rechts der dicke Matschkuchen.
Hier nochmal das Wäldchen von einer anderen Ansichtseite.
Jede Ansichtseite ist schön. Wenn man nur immer alle 5 Bäume sieht, dann bekommt das Wäldchen richtig Tiefe, was auf diesen Fotos nur ansatzweise 'rüber kommt. Nunja, da habe ich die paar schönen Herbststunden ja wieder nett genutzt und mir alt bekannten Pflanzen ein neues Gesicht verpasst - sieht richtig gut aus :-)